Was ist schon falsch an einem Fehler?

«Fehler machen ist menschlich.» (Denkt man selbst – aber nicht die anderen)


Gehen wir doch mal von folgender positiven Grundannahme aus: Niemand produziert absichtlich Fehler und handelt stets nach besten Wissen und Gewissen. Wenn das für alle gilt, sollten unsere Fehler von anderen auch generell wohlwollend betrachtet werden. Dass das nicht immer stimmt, wissen wohl auch Sie aus eigener Erfahrung.


Wenn Sie Glück haben, bemerkt man Ihr Versagen nicht, bei anderen Fehlern drückt man ein Auge zu und im schlechtesten Fall verlieren Sie durch Ihren Missgriff Job, Haus und Hof.
Spätestens dann, wenn Sie auf der Strasse sitzen, lohnt es sich der Frage nachzugehen, welchen Fehlern Sie gemacht haben.


Bei GUTSCHRIFT dreht sich alles rund um Wörter, Sätze und Texte. Deshalb grenzen wir unsere Überlegungen bei dem Thema Fehler auf das Schreiben ein.

 

 

väla – was ist das?

Das Internet weiss zum Thema Fehler:

«Rechtschreibfehler (auch Fehlschreibung genannt) bezeichnet eine Schreibweise eines Wortes oder Satzzeichens, die laut der allgemein üblichen Orthographie falsch ist. Daneben gibt es in der Schriftsprache Zeichensetzungsfehler, Grammatikfehler, Stilfehler und Tippfehler.» Wikipedia


Einmal spricht man von Fehlern, also von einem Mangel, das andere Mal davon, dass etwas falsch ist. In beiden Fällen wird der Rotstrich angesetzt, aber der Unterschied ist schwer zu erkennen. Sie denken, wenn Sie etwas falsch gemacht haben, ist es immer ein Fehler? Weit gefehlt!
Die Politik macht es vor.

 

 

Falsch gegen Fehler 1:0

Fall Amri: "Falsch ja, Fehler nein"

«Bund und Länder wehren sich im Fall Anis Amri gegen Vorwürfe, falsch gehandelt zu haben. Im Innenausschuss des Bundestags sagt BKA-Chef Holger Münch, dass der Fall rückblickend nicht gut gelaufen sei - doch Fehler habe man nicht gemacht.» Sueddeutsche.de (13.02.2017)

Betrachten wir den Falsch-Fehler-Konflikt doch mal aus dem Blickwinkel der Rechtsschreibung:
«Ich möchte nicht, das du gehst.» Hier fehlt eindeutig das zweite «s». Klar! Ein Fehler, weil etwas fehlt.
«Das hart verdiente Geld, dass ist immer schnell weg.» Das zweite «s» ist hier zu viel. Wir sprechen hier auch von einem Fehler, obwohl gar nichts fehlt. Ganz im Gegenteil – hier ist etwas zu viel. Trotzdem ist es falsch.

Das Gleiche gilt auch für Wörter wie: Mann/man; Mahl/mal; dehnen/denen. Auch bei Wörtern seid/seit oder fiel/viel fehlt nichts, aber die Verwendung der Buchstaben ist falsch. Trotzdem ein Fehler. Zum Glück merkt man beim Sprechen keinen Unterschied.

Gehören Sie auch zu der Kategorie unsicherer Schreiber, die sich lieber mündlich als schriftlich verständigen, weil sie so keine Fehler machen?

 

 

Fehlschuldigung

Über die Ursachen von Fehlern gibt es sehr ausführliche Definitionen. Wir teilen die Fehler einfach in zwei Kategorien ein.

Kat 1: Mangelnde Kenntnis: Ich weiss nicht, wie man ein Wort korrekt schreibt; ich kenne die aktuellen Regeln nicht; ich weiss nicht, welches Wort ich anwenden soll; was ich höre, kann ich schriftlich nicht umsetzen

Brauchen Sie jemanden, der Ihnen das fehlende Wissen vermittelt?

Kat 2: Nachlässigkeit: Ich habe mich auf der Tastatur vertippt; ich kann mich nicht gut konzentrieren und lasse Buchstaben oder Wörter weg; ich nehme mir nicht die Zeit, meinen Text zum Schluss zu überprüfen

Sie haben niemanden, der Ihre Texte korrigiert?

 

 

fehl - fehler - am fehlsten

Keine Angst! Haus und Hof verlieren Sie wahrscheinlich nicht, wenn Sie nicht korrekt schreiben aber der Job kann heutzutage durchaus wackeln. Die Anforderungen am Arbeitsplatz sind in unserem digitalen Zeitalter gewachsen und lebenslanges Lernen zwingt uns auch immer wieder auf die Seminarbank. Also genügend Gelegenheit, ins Buchstaben-Fettnäpfchen zu treten.

Das Angebot von elektronischen Rechtschreibhilfen wächst zwar auch ständig, die Unsicherheit, ob Ihr Text bei Abgabe verständlich und korrekt ist, können Ihnen die digitalen Fehlerdetektive jedoch auch nicht nehmen.

Wir essen jetzt Opa! - Satzzeichen können Leben retten

Bei dem bekannten Zitat kann bereits das fehlende Komma das tragische Ende des Grossvaters bedeuten. Aber wir gehen davon aus, dass die Familie rechtzeitig den Verstand eingeschaltet hat, bevor Opa auf dem Teller gelandet ist. Im besten Fall erschweren fehlende oder falsch platzierte Satzzeichen, den Lesern flüssiges Textverständnis. Es fühlt sich an, wie schlecht zu verdauende Nahrung.

Das Gewicht der Fehler ist von Fall zu Fall unterschiedlich, im Beruf bestimmt schlimmer als bei einer privaten SMS – peinlich sind sie allemal.

 

Wie schwer wiegen Ihre Fehler? Bringen wir sie mal auf die Waage.

Am schwersten stossen den Lesern Alltagswörter mit falschen oder fehlenden Buchstaben auf, die noch dazu, durch ihre Rechtschreibfehler eine andere Bedeutung erhalten.
Fehler bei der Gross- und Kleinschreibung irritiert auch noch viele, solange es nicht um Ausnahmeregeln geht. Bei Morgen und Morgens sind sich schon mehr als 50% der Schreiber und Leser nicht mehr sicher, was stimmt.


Gravierend sind auch falsche verwendete Wörter, sowie Fremdwörter, denn dann müssen die Leser lange über den Sinn nachdenken, und vielen ist es zu mühsam nachzufragen, um Klarheit zu bekommen.


Schwierige und komplizierte Satzkonstruktionen und Bandwurmsätze liegen ähnlich schwer im Magen, wie das Verwechseln der Fälle oder falsch verwendete Präpositionen.

Über das Zusammen- oder Getrenntschreiben der Wörter, darüber wissen schon nicht mehr viele Bescheid.

Ob Sie nun ein Wort, das in der Schleife der alten und neuen Rechtschreibreformen in der Mitte hängen geblieben ist falsch schreiben, fällt nur den Geübten auf.

Denken Sie immer daran: Ein Fehler ist nur dann ein Fehler, wenn er von der anderen Seite auch als solcher erkannt wird!

Sie wollen auf keinen Fall (schwerwiegende) Fehler machen?

 

 

Ohne Fehler geht es nicht

Ein Fehler ist kein Fehler, zwei Fehler sind einer zu viel!


Das behauptet der Schreiber eines Berichts über die Klassifizierung der Fehler im Beruf der Rettungssanitäter. Was er wohl damit sagen will ist, dass man über einen Fehler noch darüber wegsieht, es kann ja ein Versehen sein. Ein zweiter ist der Anfang einer Katastrohe. In der Schweiz werden 2,5 Fehler pro Textseite normalerweise akzeptiert (in Deutschland sind es 1,5). Wenn Ihre Anzahl der Fehler die Toleranzgrenze ständig überschreitet, dann sollten Sie etwas dagegen tun.

 

 

«Ist das Kunst oder muss das weg?»

Ohne Fehler ist das Leben langweilig. Wahrscheinlich hätten wir heute noch kein Eis am Stiel, hätte nicht jemand den Fehler gemacht, einen Löffel in gefrorener Limonade zu lassen.


Versprecher und Rechtschreibfehler amüsieren – aber leider nicht immer. Wenn Sie Anhänger einer kreativen Rechtschreibung sind ohne es zu wollen, ist es an der Zeit, etwas dagegen zu tun.


Sprache ist Veränderung und es sind bereits viele schöne Wortkreationen unbewusst entstanden und wer weiss, vielleicht wird Ihr Rechtschreibfehler in zehn Jahren in den Duden aufgenommen. Jeder Fehler hilft Ihnen, sich weiter zu entwickeln. Haben Sie Mut zur Lücke und stehen Sie zu Ihren Fehlern. Das ist nie falsch!

Wenn Sie Angst haben, dass Ihre Leser nicht ganz so liberal und künstlerisch denken, helfen wir Ihren Texten mit genauer Rechtschreibung auf die Spur.

Beitrag am 26.06.2017 publiziert